„Wir sind so frei“
Reformation geht weiter.

Wir feiern weiter.
500 Jahre Reformation, nun 200 Jahre Kirchenunion. 

Mutig voran.

 „Auf der Basis wohlgeprüfter Wahrheit muthig voranschreiten.“ Der Kernsatz in der Unionsurkunde 1818, der Geburtsurkunde der Pfälzer Landeskirche.

Vor zweihundert Jahren vereinen sich Zweie. 
Lutheraner und Reformierte, 
zwei geschiedene Konfessionen, 
verbinden und verbünden sich.

Eine Union. Anders als andere.  
Nicht „von oben“, „von unten“ gewollt.  
Die Gemeinden gaben den Anstoß. 
Die Protestanten waren so frei.

Die Pfälzer Kirchenunion war
eine Ökumenebewegung,
eine Basisbewegung,
ein großer Fortschritt. 

Wir fragen weiter.

Wo geht´s heute lang und wie voran? 
Was trägt, was trennt, was eint uns in Kirche und Welt?
„Wir sind so frei.“ 
Wir gehen weiter.
Mutig voran. 

Feiern Sie mit uns das Unionsjahr und das Unionsfest!

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Die Stadt der Union

In Kaiserslautern trifft Gegenwart auf Geschichte

Ganz Kaiserslautern ist auf den Beinen, als im August 1818 die Mitglieder der Generalsynode vom Stadthaus in der Steinstraße in die lutherische Kleine Kirche und von dort aus zur reformierten Stiftskirche ziehen, um die Gründung der „Vereinigten protestantisch-evangelisch-christlichen Kirche der Pfalz“ zu feiern. Zweihundert Jahre später: ein Streifzug durch Geschichte und Gegenwart in der Altstadt von Kaiserslautern.

Friedlich plätschert der Brunnen am Martinsplatz. Aus den offenen Fenstern der städtischen Emmerich-Smola-Musikschule dringen Fanfarentöne einer Trompete, harmonisches Zusammenspiel eines Blockflötenensembles und leise Misstöne eines Anfängers auf der Geige. Die Gedanken wandern in die Geschichte. Im großen Saal des ehemaligen Stadthauses, das heute die Musikschule beherbergt, tagte vor zweihundert Jahren die pfälzische Generalsynode. Die Klänge von heute mischen sich mit den Gedanken an damals. Insgesamt 52 reformierte und lutherische Synodale fanden sich am 2. August 1818 in Kaiserslautern ein, um die „innige Verschmelzung in eine einzige protestantische Confession“ auf den Weg zu bringen, wie es der Königliche Kommissar und Konsistorialrat Wilhelm Fliesen in seiner Eröffnungsrede auf den Punkt brachte. In atemberaubender Geschwindigkeit einigte man sich innerhalb von zwei Wochen auf die Grundlagen der nunmehr „Vereinigten protestantisch-evangelisch-christlichen Kirche der Pfalz“.

Weg von der Musikschule führt der Weg zur Kleinen Kirche am Rittersberg. Über lange Jahre hatten die Lutheraner keinen leichten Stand in der reformiert geprägten Stadt Kaiserslautern. Dennoch wuchs die Gemeinde und damit auch die Sehnsucht nach einer eigenen Kirche statt der Freiluftgottesdienste im Hof von Oberförster Weller. 1711 wurde endlich mit dem Bau begonnen, der 1717 vollendet war. In den Folgejahren ist an eine echte Gemeinschaft zwischen Lutheranern und Reformierten noch nicht zu denken. Die Chroniken berichten von der Trauung eines lutherischen Bräutigams mit seiner reformierten Braut im Jahr 1764, die nur mühsam vollzogen werden kann, weil auf Geheiß eines Kirchenrates der Sohn des Glöckners empört gegen die verschlossene Kirchentür poltert.

Die französischen Revolutionskriege Ende des 18. Jahrhunderts hinterlassen in Kaiserslautern ein Bild der Verwüstung. Der lutherische Pfarrer Wilhelm Gerlach stellt fest: „Nirgends sieht es für unsere evangelische Gemeinde so traurig aus als zu Lautern.“ Doch die Gemeinde gibt nicht auf, setzt ihr Gotteshaus wieder instand, zum 300-Jahr-Jubiläum der Reformation erstrahlt es in neuem Glanz. Mittlerweile sind auch die alten Feindseligkeiten zwischen Lutheranern und Reformierten fast schon Geschichte. Der Reformationstag 1817 wird mit einem Kanzeltausch gefeiert, bereits im Januar 1818 wird in Kaiserslautern eine lokale Union vollzogen.

Am 16. August desselben Jahres beginnt schließlich in der Kleinen Kirche unter Glockengeläut, „begleitet von der Bürgergarde, geschmückt durch Reihen festlich gekleideter Kinder und Jungfrauen, Blumenkraenze und Gierlanden tragend“ der Festzug der Generalsynode durch die Marktstraße zur Stiftskirche, wo die Union feierlich mit einem gemeinsamen Abendmahl zelebriert wird. Zu diesem Zeitpunkt hat die gotische Stiftskirche schon fast 600 Jahre auf dem Buckel. Sie war Klosterkirche der Prämonstratenser, weltliches Kollegiatstift, reformierte Stadtkirche, Heumagazin der Franzosen und wird nun zur „Mutterkirche der Union.“

Durch das Portal von Richard Menges aus dem 20. Jahrhundert führt der Weg in die „Unionskapelle“, die das Denkmal von Konrad Knoll aus dem Jahr 1883 beherbergt. Calvin und Luther in Lebensgröße. Und der Friedensengel, der mit Palmzweig und Kelch Christen daran erinnert, das Gemeinsame und Geschwisterliche zu suchen: „Einer ist euer Meister, Christus. Ihr aber alle seid Brüder.“

Dorothee Wüst